Read Frankreichs gotische Kathedralen. Kunst - Reiseführer (3. Auflage 1984) by Werner Schäfke Online

Title : Frankreichs gotische Kathedralen. Kunst - Reiseführer (3. Auflage 1984)
Author :
Rating :
ISBN : 3770109759
ISBN13 : 978-3770109753
Format Type : Audio Book
Language : Deutsch
Publisher : DuMont Reiseverlag, Ostfildern Auflage 3 A April 1997
Number of Pages : 469 Pages
File Size : 594 KB
Status : Available For Download
Last checked : 21 Minutes ago!

Frankreichs gotische Kathedralen. Kunst - Reiseführer (3. Auflage 1984) Reviews

  • Christoph Erlemeier
    2019-06-19 13:30

    Kein Wunder, dass Ihnen hier ein Buch allein zu den Kathedralen Frankreichs geboten wird, denn von Frankreich ging die Gotik auch ursprünglich aus und setzte sich später auch in England, Spanien, Polen, den deutschen Staaten, etc. fort.Ausgangspunkt war die reiche Region um die Ile de France (Region um Paris) im Mittelalter. Die Gotik löste die Romanik ab. Zuvor gab es viele Kriege und die Menschen flüchteten aus den Städten und zogen auf das Land in Nähe der Abteien. Zwischen dem 12. und 13. Jahrhundert befand sich Frankreich in einer politisch stabilen Lage. Das Bürgertum erstarkte und die Bischöfe zählten zu den reichsten Personen im Land. Die Bürger erkannten auch die wirtschaftliche Bedeutung der Kathedralen, denn der Ansturm von Pilgern sorgte für kräftige Einnahmen, auch auf dem Markt, von denen alle Bürger profitieren konnten. So finanzierten alle Bürger die Bauvorhaben. Im goldenen 12. Jahrhundert war Frankreich mit rund 20. Millionen Einwohnern das bevölkerungsstärkste Land Europas. Der Handel florierte.Um die Pilgerströme zu locken musste man Reliquien zusammentragen. Zur Finanzierung der Kathedralen wurden auch Reliquienschreine über Land getragen und jeder, der den Schrein betrachten oder berühren wollte, musste dafür zahlen. Natürlich waren die meisten Reliquien Fälschungen. Berühmte Reliquien sind z.B. ein Stück des Gewands der heiligen Maria in Chartres, der Schädel von Johannes dem Täufer in Amiens oder die Kirche in Coulombs behauptete sogar absurderweise die heilige Vorhaut von Jesus zu besitzen. Die Einnahmen wurden für den Bau der Kathedralen verwendet. Am teuersten waren die Transportkosten für das Mauerwerk und die Kosten für das Blei, mit welchem man z.B. die Säulenelemente durch Guss verband. Für Notre Dame in Paris wurde das Material aus einem Steinbruch verwendet, der sich 100 km entfernt befand. Als Kran fungierte oft ein Tretradantrieb (vorhanden z.B. noch in Beauvais). Die Handwerker verdienten gut am Bau. Die gefragtesten Handwerker waren die Glasmacher, die gleichzeitig auch Künstler und Theologen waren. Über die Architekten weiß man so gut wie nichts. Maßstäbliche Zeichnungen und Ansichten gab es nicht. Es wurde sozusagen nach Erfahrung gebaut und jeder Bauherr und jede Zeit zogen auch Änderungen ursprünglicher Planungen nach sich.Der Beginn der Gotik wird häufig mit dem Bau der Kathedrale von Saint Denis (Grablegekirche der französischen Könige) bei Paris datiert, (manche sprechen auch von den Anbauten des Klosters Fontenay). Der Abt Suger gilt als eine wichtige Person bei der Entwicklung der gotischen Architektur. Er liebte auch Edelsteine und Gold. Er war der Meinung, dass der Reichtum der Kirche auch nach außen präsentiert werden müsse und auch die Wandlung des Weins und des Brots den Bürgern sichtbar gemacht werden müsse. Er ließ prunkvolle Kreuze und Reliquienschreine anfertigen. Die heilige Messe wurde zu einer Theaterinszenierung. Er sprach von einer Theologie des Lichts und der prunkvollen Präsentation der Herrlichkeit Gottes. So ließ er einen alten Chor der Kathedrale abreißen, um einen neuen mit größeren Fenstern zu errichten. Die neuen Bautechniken wurden erstmals bei Saint Denis erprobt. Dazu zählte z.B. das Spitzrippengewölbe.Im Weiteren erfand Suger den Chorumgang, der auch den Bau von Seitenkapellen ermöglichte, so dass auch Messen am Fließband abgehalten werden konnten. Die Messe wurde künftig vom Priester mit dem Rücken zum Publikum zelebriert, was sich erst 800 Jahre mit dem zweiten Vatikanischen Konzil wieder ändern sollte. 1144 wurde die Kathedrale von Saint Denis eingeweiht. Der König und die Bischöfe waren begeistert. Auch König Ludwig VI stimmte für den Bau weiterer Kathedralen. So sollten zwischen dem 12. und 13. Jahrhundert rund 80 bemerkenswerte Kathedralen folgen. Alle 5 bis 10 Jahre entstand eine neue Kathedrale in Frankreich. Bei jedem Neubau wurden Erkenntnisse und Neuerungen für weitere Bauten übernommen und zusätzlich optimiert. Schlankheit, Höhe, Kreuzrippengewölbe, Spitzbogen, Säulen mit Insektenbeinen und riesige Fenster wurden zu Kenzeichen der Gotik. Zuletzt waren die Außenmauern nur noch Füllmaterial wie ein Vorhang. Die Schublasten wurden von insektenförmigen Strebebögen am Außenmauerwerk aufgenommen. Die häufigsten Formen des Grundrisses waren, wie in der Romanik, der einfache Langbau und das lateinische Kreuz. Aber statt der Addition von Bauelementen in der Romanik wurde in der Gotik ein integriertes Bauprinzip verfolgt, bei dem jedes einzelne Element vom Ganzen abhing. Dieses Abhängigkeitsprinzip gefährdete auch in den letzten Tagen des 2. Weltkriegs die Standfestigkeit der berühmten Kathedrale von Rouen nach einem Treffer. Die Kathedrale von Rouen ist auch heute den Laien durch die Lichtmalereien Claude Monets bekannt.Nach Saint Denis folgte die Kathedrale von Laon. Geldmangel sorgte dafür, dass sie nur 5 statt 7 Türme erhielt. Das Schiff hatte eine Höhe von ca. 22 Metern. Mit ihr erfand man die für die Gotik typische Fensterrose und Portale, die sich mit Heiligen versehen, wie Muscheln öffneten. Die Säulen bestehen oft aus mehreren Einzelsäulen, die beim kräftigen Draufklopfen unterschiedliche Töne und Schwingungen von sich geben. Die Töne geben Information über die Höhe der Belastung. Früher nutzte man sie auch als leise Kirchenglocke.Kurz darauf folgte die Kathedrale Notre Dame in Paris. Ihr Schiff sollte mit ca. 35 m Höhe die Kathedrale von Laon überragen. Man schuf zwei Seitengänge und hatte damit eine doppelte Stützmauer. Notre Dame erhielt zunächst ein provisorisches Dach, weil man noch nicht genau wusste, wie man die Kräfte abfangen sollte. Es folgten die Kathedralen von Chartres und Bourges, die etwa gleichzeitig errichtet wurden. Die Kathedrale von Bourges wurde z.B. als fünfschiffige Basilika mit doppeltem Chorumgang und kleinen Nebenkapellen errichtet und Chartres erhielt ein kurzes Querschiff. Erst nach dem Bau von Chartres erhielt Notre Dame in Paris ein Gewölbe und ein Strebewerk, welches durch filigrane Zierlichkeit glänzte. Außerdem plante man ein ausgeklügeltes Entwässerungssystem für die Dachflächen, wobei die Strebebögen teilweise auch als Aquädukte dienten.Danach folgte die Krönungskirche in Reims (Champagne) und danach die hellste Kathedrale in Amiens. Amiens glänzte durch die größten Fenster und besaß ein ca. 42 m hohes Schiff, unter dem rund 10000 Besucher Schutz finden konnten. Rund 90% der Mauerflächen bestand aus Fenstern. Die Fensterbögen wurden durch Eisenverstärkungen miteinander verbunden. Nur das beste Eisen wurde verwendet, welches man aus Toledo importierte. Auch das Mauerwerk wurde sicherheitshalber mit Eisen umwickelt (Wirkung, wie ein Hosengürtel, auch später bei der Rettung der Kuppel des Petersdoms ähnlich ausgeführt, als diese einzustürzen drohte). Bolzen, Stahlmaueranker, -stäbe und - klammern kamen zusätzlich zum Einsatz.Der Neubau der Kathedrale von Beauvais sollte alles bisher Erbaute in den Schatten stellen. Mit einer Höhe von 48,50m besitzt Beauvais das höchste Kirchengewölbe der Welt. Als Besonderheit galt hier die fast vollkommene Auflösung der Wandflächen bei gleichzeitiger Erhöhung des Pfeilerabstands. 1284 stürzten allerdings die Gewölbe ein und man musste nachbessern. Zusätzliche Pfeiler wurden eingezogen. Der Bau stoppte allerdings ab 1347 in etwa mit dem Ausbruch des 100 jährigen Krieges zwischen Frankreich und England. 1569 wurde der Vierungsturm mit einer Höhe von 150 m fertig gestellt. Rund 4 Jahre stellte Beauvais die höchste Kathedrale der Welt. Der Turm stürzte dann exakt nach dem Verlassen der Christi Himmelfahrtprozession am 17. April des Jahres 1573 in den Chor. Die Kirche wurde zwar saniert, blieb aber daraufhin unvollendet.Die wichtigsten Kirchen im Raum der Ile de France habe ich Ihnen hiermit in Kürze beschrieben. Sie erhalten natürlich im Buch noch viel ausführlichere Informationen. Alle genannten Kirchen befinden sich übrigens in einem Umkreis von 100 km um die Landeshauptstadt Paris, so dass auch ein Besuch mit dem Auto von dort aus unproblematisch ist. Außerdem erfahren Sie auch einiges über die Kathedralen von Poitiers, Rodez, Albi, Metz, Sens, um nur einige zu benennen. Die Kathedralen werden mit vielen Worten zu Detailfragen ausgeschmückt, so dass das Leben im Mittelalter spürbar wird. Die Kathedralen waren letztendlich damals nicht nur Ort des Gebets. Sie fungierten auch für den Handel, Glücksspiel, für den Austausch und Gespräche der Bewohner oder sogar als Ratsgebäude, weil es Rathäuser noch nicht gab. Sitzgelegenheiten gab es damals noch nicht. Grundrisspläne, Schnittdarstellungen, Außen-, Innen- und Detailansichten zählen natürlich auch zur Ausstattung dieses Buchs. Darüber hinaus werden auch Vermutungen über die alte Farbigkeit der Kathedralen (Polychromie) angestellt. In Frankreich findet oftmals jährlich eine Lichtshow bei verschiedenen Kathedralen statt, so dass die alte Farbigkeit in der Nacht sichtbar für das Publikum erscheint. Im Anhang befinden sich eine Zeittafel, die wichtige historische Daten umfasst und ein Glossar zur Klärung der architektonischen Fachbegriffe. Das Buch umfasst rund 144 Seiten, auf denen Ihnen kurz und bündig das Wichtigste zu den Kathedralen in Wort und Bild erläutert wird. Das Buch ist sicher keine wissenschaftliche Facharbeit, so dass dieses Buch auch an Laien adressiert ist.Eine weitere Empfehlung könnte auch noch das Buch "Gotik" von Rolf Toman und Achim Bednorz sein. Fotos sind oft nicht so plastisch wie ein filmisches Dokument: Der zweiteilige französische Dokumentarfilm Cathédrales (deutscher Titel: Kathedralen - Wunder aus Stein) von Jean François Delassus macht das Mittelalter und den Bau der Kathedralen auf gelungene Art und Weise lebendig. Historische Szenen werden dort von Schauspielern nachgestellt.

  • Neuhold
    2019-07-09 14:44

    Das ist eine ganz großartige Zusammenfassung, Beschreibung und Erklärung gotischer Kathedralen. So genau findet man das nur mehr in kunsthistorischen Lehrbüchern. Leider wird dieser Kulturführer nicht mehr aufgelegt (mein Exemplar ist von 1979).

  • Freyberg
    2019-07-16 14:29

    Frage mich, warum ich eine so umfangreiche Rezension abgeben muss.Frage mich, warum ich eine so ufangreiche Rezension abgeben muss .